Die Nacht ist wertvoll

Warum braucht es die Dunkelheit?

In der Schweiz und auf der ganzen Welt wird es nachts immer heller – und die Schattenseite des Lichts wird dadurch klar sichtbar. Künstliches Licht hellt die nächtliche Umwelt auf und verändert die eingespielten Ökosysteme. Die Forschung zeigt immer mehr Folgen auf: Insekten sterben an künstlichen Lichtquellen, Zugvögel verlieren im Lichtsmog die Orientierung. Menschliche Krebszellen wachsen schneller unter permanentem nächtlichen Lichteinfluss. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät aus der Bahn und Mensch und Natur mit ihm.

Inspiration

Der Anblick des Sternenhimmels war schon immer eine Inspirationsquelle der Menschheit, und seine Beobachtung findet sich in allen Kulturen und Zivilisationen und durch die Jahrtausende der Geschichte hindurch. Das Nachsinnen über das Firmament brachte viele wissenschaftliche, gesellschaftliche und technische Entwicklungen zu Tage.

2007 wurde durch die UNESCO die ERKLÄRUNG ZUM SCHUTZ DES NACHTHIMMELS UND DES RECHTS AUF STERNENLICHT  deklariert (La Palma Deklaration).

Regeneration

Gut zu schlafen, ist für viele ein Traum. Chemisch für den Schlaf verantwortlich ist ein körpereigenes Hormon: Melatonin. Wenn die Sonne untergeht, nehmen unsere Augen eine Veränderung des Lichts wahr: das Tageslicht wird zunehmend schwächer und rötlich. Mit der zunehmenden Dunkelheit wird das Gehirn aufgefordert, Melatonin auszuschütten. Es macht uns schläfrig und lässt uns einschlafen, damit der Körper sich regenerieren kann. Geht die Sonne auf, weckt sie uns für den nächsten Tag. Unsere innere Uhr wird durch Blautöne im Tageslicht gesteuert. Ausser, wir halten ihn durch kaltweisses Licht aktiv, wie es in kaltweissen LED-Leuchtmitteln, manchen Baby-Nachtlichtern und Handy- und Tabletmonitoren enthalten ist.

Dauerbeleuchtung kann bei Pflanzen den Saisonrhythmus durcheinanderbringen. So blühen Äste desselben Baumes unter Dauerbeleuchtung früher als solche, welche nicht direkt angeleuchtet werden. Die beleuchteten Äste behalten die Blätter auch länger im Herbst. Sie ziehen ihren Saft zu spät zurück, was sie gegenüber kalten Temperaturen verletzlich macht.

Orientierung

Am Sternenhimmel orientierten sich die Seefahrer schon vor Jahrtausenden. Das Wissen über die Sternkonstellationen wird auch heute noch weitergegeben und ist ein Lebensretter, wenn einmal die Technik ausfällt.

Zugvögel ziehen grösstenteils bei Nacht. Ihnen dient das Sternenlicht als Orientierungshilfe auf ihrer Zugroute. Bei schlechtem Wetter werden sie durch Lichtglocken und durch punktuelle starke Lichtquellen abgelenkt und verschwenden wertvolle Energie durch Umwege oder sterben gar.

Auf der Gurnigel Wasserscheide liegt eine IBA (International Bird Area), ein Nadelöhr, wo jeden Herbst Tausende von Zugvögeln vorbeikommen.

Im Schutz der Nacht

In einer erhellten Nachtumgebung sind lichtscheue Fledermausarten grundsätzlich benachteiligt. Die Beleuchtung des Tagesschlaforts (oft Dachstöcke) führt dazu, dass lichtscheue AOrirten später in der Nacht jagen gehen. Beleuchtete Strassenzüge unterbrechen auch das Jagdrevier lichtschuer Arten, währenddem Dämmerungsjäger sich an den um die Leuchten herumschwirrenden Insekten sattfressen können.

Frösche und Kröten hingegen sind auf gleichmässige Hell-Dunkel-Kontraste angewiesen, da sich ihre Augen sehr langsam anpassen (kann teilweise Stunden dauern). Die meisten Frösche und Kröten gehen nur bei Dunkelheit auf Nahrungssuche und sind für Raubfeinde bei Licht besser sichtbar.

Fortpflanzung

  • Singvögel beginnen aufgrund der längeren Helligkeit früher mit ihrem Morgengesang als normal. Dies bedeutet, dass die Paarungs- und Brutzeit sich ebenfalls verfrüht.
  • Studien haben gezeigt, dass bei vielen Amphibien eine weniger selektive Partnerwahl stattfindet, wenn keine «sichere» Dunkelheit vorhanden ist.
  • Bei Fischen kann Licht zu Störungen im Wander- und Paarungsverhalten führen.
  • Glühwürmchen-Männchen meiden das Licht, während Weibchen auch unter Lampen leuchten. Sie finden sich nicht mehr.
  • Die meisten Insekten sind nachtaktiv. Sie leisten einen Grossteil der täglichen Bestäubung der Pflanzen. Werden sie jedoch von Leuchten angezogen, bleiben sie dort und können ihre Bestäubungsarbeit nicht weiter leisten.
  • Verein Glühwürmchen

In der Region Gantrisch kennen wir den Nachthimmel noch als dunkles Firmament mit Tausenden von funkelnden Sternen. Die Städte und Agglomerationen mit ihren Lichtglocken sind jedoch ebenfalls in Sichtnähe und erhellen den Horizont immer mehr. Doch während man in der Stadt Bern einen Nachthimmel sieht, der 40mal heller ist als in der unberührten Natur, ist er hier «nur» 0,3- bis maximal 2,5-fach erhellt.

Nachthimmel über dem Mittelland

Nachthimmel über dem Gürbetal

Sichtbar sind Milchstrasse im Zentrum sowie auch starke Aufhellungen des Himmels am Horizont

Nachthimmel über der Kernzone

Nachthimmel im Kerngebiet

Nachthimmel über dem Kerngebiet (Aufnahme 2′

Was ist Lichtverschmutzung?

Der Begriff der Lichtverschmutzung (englisch light pollution), auch Lichtsmog,[1] oder Lichtverunreinigung genannt,[2] bezeichnet die dauernde Abwesenheit völliger Dunkelheit in den davon betroffenen Gebieten der Erde und bewertet zugleich diesen Sachverhalt negativ. Der Vorgang, der zu diesem Zustand führt, wird Lichtimmission genannt.[3] Dabei wird der Nachthimmel durch meist künstliche Lichtquellen aufgehellt, deren Licht in den Luftschichten der Erdatmosphäre gestreut wird, womit die Überlagerung der natürlichen Dunkelheit verbunden ist. Über Städten spricht man auch von deren Lichtglocke.

Der Mangel an Dunkelheit hat störende Einflüsse auf die Flora und Fauna, auf die biologischen Tag-Nacht-Zyklen sowie einen negativen Einfluss auf astronomische Beobachtungen des Nachthimmels. Insofern handelt es sich bei dem als Lichtverschmutzung bewerteten Vorgang um eine Form der Umweltverschmutzung.

In der höchsten Kategorie der Dunkelheit können bei klarer Sicht etwa 6500 Sterne mit bloßem Auge durchschnittlich guter Sehkraft erkannt werden, die als im astronomischen Sinne freisichtig („am Himmel gezählt“) gelten. Sie haben eine scheinbaren Helligkeit (Größenklasse) über 6,8 mag. In stark lichtverschmutzten Städten sind oft im Normalfall nur mehr wenige Dutzend, oder gar keine Sterne mehr erkennbar. (Quelle: Wikipedia)

Aber nicht jedes Licht ist gleich Lichtverschmutzung!

Grundsätzlich sind wir nicht gegen den sinn- und massvollen Einsatz von Licht, denn es hat auch seine Vorteile. Im Gantrischgebiet gibt es vergleichsweise wenig Lichtverschmutzung und deshalb ist das Ziel nicht, diese zu reduzieren, sondern die natürliche Nachtdunkelheit zu erhalten. Tipps dafür, was jeder Einzelne dafür tun kann, dass der momentane Zustand möglichst lang so erhalten bleibt, gibt es auf der Seite Handeln.

In den letzten 20 Jahren haben die Lichtemissionen um 70 Prozent zugenommen. Gemäss unserer Forschung besuchen Bestäuber Blüten unter künstlicher Beleuchtung um rund zwei Drittel weniger häufig als jene im Dunkeln. Das wirkt sich entscheidend auf die Biodiversität aus.

Eva Knop, Universität Bern