Die Nacht verstehen

Warum braucht es die Dunkelheit?

Nur was man weiss, erkennt man und nur was man wertschätzt, schützt man. Gehen Sie mit offenen Augen durch die Nacht.

In der Region Gantrisch kennen wir den Nachthimmel noch als dunkles Firmament mit Tausenden von funkelnden Sternen. Die Städte und Agglomerationen mit ihren Lichtglocken sind jedoch ebenfalls in Sichtnähe und erhellen den Horizont immer mehr. Doch während man in der Stadt Bern einen Nachthimmel sieht, der 40mal heller ist als in der unberührten Natur, ist er hier «nur» 0,3- bis maximal 2,5-fach erhellt.

Sternenfotografie_Herbst-Foto_Workshop_Sternenpark-Gantrisch (1)

Inspiration

Wir sehen die selben Sterne wie unsere Ahnen vor Jahrtausenden

Die Ruhe der Nacht und der Anblick des Sternenhimmels war schon immer eine Inspirationsquelle der Menschheit. Seit einiger Zeit gibt es auch ein Recht auf Sternenlicht. Mehr lesen→

Ein-Millionen-Sterne-Haus_Sternenpark-Gantrisch (1)

Regeneration

Die Dunkelheit löst Prozesse aus

Die Menge oder die Abwesenheit von Licht löst Prozesse und Mechanismen aus. Mehr lesen →

Orientierung

Orientierungshilfe durch Raum und Zeit

Die unendlich scheindende Konstanz der Sternkonstellationen lassen Mensch und Tier Orientierungshilfen finden – bei klarem Himmel. Mehr lesen →

Lebensraum Dunkelheit

Tagsüber passiv, nachts aktiv

Mit dem Verlust der Dunkelheit verlieren viele Lebewesen ihre Lebensräume. Mehr lesen →

Tag - Nacht - Rhythmus

Hell & Dunkel als Taktgeber für das Fortbestehen

Hell und Dunkel sind Taktgeber für die meisten Aktivitäten, insbesondere für den Fortbestand der meisten Lebewesen. Mehr lesen →

Inspiration

Wir sehen die selben Sterne wie unsere Ahnen vor Jahrtausenden

Der Anblick des Sternenhimmels war schon immer eine Inspirationsquelle der Menschheit, und seine Beobachtung findet sich in allen Kulturen und Zivilisationen und durch die Jahrtausende der Geschichte hindurch. Das Nachsinnen über das Firmament brachte viele wissenschaftliche, gesellschaftliche und technische Entwicklungen zu Tage. 2007 wurde durch die UNESCO die Erklärung zum Schutz des Nachthimmels und des Rechts auf Sternenlicht herausgegeben (La Palma Deklaration).

Regeneration

Die Dunkelheit löst Prozesse aus

Gut zu schlafen, ist für viele ein Traum. Chemisch für den Schlaf verantwortlich ist ein körpereigenes Hormon: Melatonin. Wenn die Sonne untergeht, nehmen unsere Augen eine Veränderung des Lichts wahr: das Tageslicht wird zunehmend schwächer und rötlich. Mit der zunehmenden Dunkelheit wird das Gehirn aufgefordert, Melatonin auszuschütten. Es macht uns schläfrig und lässt uns einschlafen, damit der Körper sich regenerieren kann. Geht die Sonne auf, weckt sie uns für den nächsten Tag. Unsere innere Uhr wird durch Blautöne im Tageslicht gesteuert. Ausser, wir halten ihn durch kaltweisses Licht aktiv, wie es in kaltweissen LED-Leuchtmitteln, manchen Baby-Nachtlichtern und Handy- und Tabletmonitoren enthalten ist.

Dauerbeleuchtung kann bei Pflanzen den Saisonrhythmus durcheinanderbringen. So blühen Äste desselben Baumes unter Dauerbeleuchtung früher als solche, welche nicht direkt angeleuchtet werden. Die beleuchteten Äste behalten die Blätter auch länger im Herbst. Sie ziehen ihren Saft zu spät zurück, was sie gegenüber kalten Temperaturen verletzlich macht.

Orientierung

Orientierungshilfe durch Raum und Zeit

Am Sternenhimmel orientierten sich die Seefahrer schon vor Jahrtausenden. Das Wissen über die Sternkonstellationen wird auch heute noch weitergegeben und ist ein Lebensretter, wenn einmal die Technik ausfällt. Zugvögel ziehen grösstenteils bei Nacht. Ihnen dient das Sternenlicht als Orientierungshilfe auf ihrer Zugroute. Bei schlechtem Wetter werden sie durch Lichtglocken und durch punktuelle starke Lichtquellen abgelenkt und verschwenden wertvolle Energie durch Umwege oder sterben gar. Auf der Gurnigel Wasserscheide liegt eine IBA (International Bird Area), ein Nadelöhr, wo jeden Herbst Abertausende von Zugvögeln vorbeikommen und ein Lebensraum, der vielen nachtaktiven Tieren Schutz gibt, z.B. .

Lebensraum Dunkelheit

Tagsüber passiv, nachts aktiv

Der Grossteil der Tier- und Pflanzenarten sind nachtaktiv. In einer erhellten Nachtumgebung gibt es Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern gehören diejenigen Arten, deren Bestände nicht in Gefahr sind. Verlierer sind die sensiblen Arten, z.B. lichtscheue Fledermausarten. Die Beleuchtung ihres Tagesschlaforts(oft Dachstöcke) resp. der Ausflugslöcher führt dazu, dass sie nicht oder erst viel später ausfliegen. Beleuchtete Strassenzüge zerschneiden ihr Jagdrevier, während Dämmerungsjäger sich an den die Leuchten umschwirrenden Insekten sattfressen können. Die Verkürzung der Nacht und die Verkleinerung ihres Jagd- und Lebensraumes führt zu weniger Nahrungsaufnahme und weniger Nachkommenschaft.
Frösche und Kröten sind auf gleichmässige Hell-Dunkel-Kontraste angewiesen, da sich ihre Augen sehr langsam anpassen (kann teilweise Stunden dauern). Die meisten Frösche und Kröten gehen nur bei Dunkelheit auf Nahrungssuche und sind für Raubfeinde bei Licht besser sichtbar.

Tag - Nacht - Rhythmus

Hell & Dunkel als Taktgeber für das Fortbestehen

Singvögel beginnen aufgrund der künstlichen Helligkeit früher mit ihrem Morgengesang als normal. Dies bedeutet, dass die Paarungs- und Brutzeit sich ebenfalls verfrüht. Studien haben gezeigt, dass bei vielen Amphibien eine weniger selektive Partnerwahl stattfindet, wenn keine «sichere» Dunkelheit vorhanden ist. Bei Fischen kann Licht zu Störungen im Wander- und Paarungsverhalten führen. Glühwürmchen-Männchen meiden das Licht, während Weibchen auch unter Lampen leuchten. Sie finden sich nicht mehr. Die meisten Insekten sind nachtaktiv. Sie leisten einen Grossteil der täglichen Bestäubung der Pflanzen. Werden sie jedoch von Leuchten angezogen, bleiben sie dort und können ihre Bestäubungsarbeit nicht weiter leisten.

In den letzten 20 Jahren haben die Lichtemissionen um 70 Prozent zugenommen. Gemäss unserer Forschung besuchen Bestäuber Blüten unter künstlicher Beleuchtung um rund zwei Drittel weniger häufig als jene im Dunkeln. Das wirkt sich entscheidend auf die Biodiversität aus.

Eva Knop, Universität Bern

Aufhellung des Nachthimmels in der Stadt Bern: 40,0-fach 0 -fach

Aufhellung des Nachthimmels in Riggisberg, Naturpark Gantrisch: 2,5-fach 0 -fach

Aufhellung des Nachthimmels im Gurnigel- und Kaiseregggebiet, Naturpark Gantrisch: 0,3-fach 0 -fach