Ergebnisse aus dem Licht-Symposium März 2021

Ende März fand das Licht-Symposium der WSL/Agroscope statt, ein spannendes und gut vor- und aufbereitetes Infopanel für die Öffentlichkeit über den Stand der Forschung im Thema Nacht und Bestäubung.

Downloads & Replay

Hier können alle Präsentationen heruntergeladen werden und das Symposium in voller Länge nachgeschaut werden: Link zu Agroscope

Kernaussagen

Folgende Kernaussagen aus dem Symposium sind für den Naturpark Gantrisch von besonderer Wichtigkeit, da sie die Stossrichtung der Regionalen Beleuchtungsrichtlinien, angenommen von den meisten Naturparkgemeinden in 2018/19, bestätigen:

Mit ¼ der Energie ist es heute 5x heller.

Lukas Schuler, Dark Sky Switzerland

Seit Beginn der Sensibilisierungsarbeit zur Bewahrung der nächtlichen Dunkelheit im Naturpark ist das Thema SUFFIZIENZ wichtig: Es reicht nicht, Leuchtenköpfe auszutauschen – es braucht vor allem anderen die Überlegung, wo und wie lange die Bevölkerung unterwegs ist und wo und wie lange ein gewisses Mass an künstlichem Licht an Strassen, Wegen und Plätzen notwendig ist. Beleuchtung soll nicht nach dem Giesskannenprinzip sondern nach Bedürfniserfüllung funktionieren.

 

Der Peak der täglichen Bestäubung ist am Mittag – in der Nacht ist die Aktivität nach Sonnenuntergang am höchsten, abnehmend bis 2 Uhr morgens.

Eva Knop, Agroscope

Im Sternenpark ist auch der Abend und das Erlebnis der Dämmerung ein wichtiges Element in der Sensibilisierung. Die Einschaltzeiten von Strassenlampen scheinen heute noch keinem Konsens zu folgen. In zukünftigen Überlegungen sollte die Störung der abendlichen Bestäubung und der Mehrwehrt der Beleuchtung an einem bestimmten Ort sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

 

Die Auswirkungen von künstlichen Lichtimmission sind weitreichender als erwartet. Pflanzen unter künstlicher Beleuchtung werden nachts weniger bestäubt. Doch auch ihre im dunkeln liegenden Nachbarn leiden unter verringerter Bestäubung. Und Pflanzen, die nachts von weniger Bestäubern besucht werden, haben auch weniger Tagesbesucher.

Simone Giavi, Agroscope

Diese Aussage ist dahingehend wichtig, dass damit erneut klar wird, dass viele Auswirkungen des künstlichen Lichts in der Nacht noch völlig im Dunkeln liegen.

 

Nicht abgeschirmtes, warmfarbiges Licht schadet der Umwelt weniger als abgeschirmtes, kaltweisses Licht. Am meisten Insekten wurden mit 4000K/nicht abgeschirmt angezogen, am wenigsten mit 1750K/abgeschirmt (ohne Dunkelstandorte).

Janine Bolliger, WSL

In den Sternenpark-Richtlinien wird eine Lichtfarbe von 2000 Kelvin empfohlen. Z.B. in Plaffeien und Kaufdorf wurden Leuchten von 3000 Kelvin verbaut, im Pilotprojekt in Ottenleue 2200 Kelvin. Die Rückmeldungen sind gut, wir sind im Naturpark auf dem richtigen Weg. Frau Bolliger hat die Vermutung angestellt, dass die Beobachtung, dass an weissen LED-Leuchten in Siedlungsgebieten kaum Nachtfalter vorzufinden sind, auf Gewöhnungseffekte in der Natur gründen könnte – wo es schon länger beleuchtet ist, haben sich die lichtsensiblen Lebewesen zurückgezogen. Dies birgt Grund zur Besorgnis und gibt Grund zu Rückbauten, Aufwertungen und Verbesserungen.

 

Mit künstlichem Licht verlieren Vögel ihren natürlichen Rhythmus. Je intensiver das Licht, umso stärker die Auswirkungen.

Felix Liechti, Vogelwarte Sempach

Je intensiver das Licht, umso stärker sind die Auswirkungen auf jegwelche Lebewesen, auch auf den Menschen. Wie in den Beleuchtungsrichtlinien gefordert und dem SUFFIZIENZ-Gedanken folgend, sollte daher sorgfältig darauf geachtet werden, die Intensität der künstlichen Beleuchtung auf die beabsichtigten Tätigkeiten abzustimmen.