Auftragsstudie «Ecological Light Pollution in the Gantrisch Naturpark», Universität Bern, 2018

Der Naturpark durfte im Rahmen des Projekts “ökologische Infrastruktur” des Bundes eine Studie zur ökologischen Lichtverschmutzung in Auftrag bei der Universität Bern in Auftrag geben. In der Studie wurde eine Literaturanalyse zu bereits bekannten Zusammenhängen zwischen künstlichem Licht und verschiedenen Arten durchgeführt. Eine Feldstudie an der Gürbe ging der Anziehungskraft von Leuchten an Fliessgewässern nach und ein Leuchteninventar sowie eine GIS-Analyse zeigten lichtverschmutzte und dunkle Räume im Perimeter des Naturparks. Die Studie attestiert dem Naturpark seltene und wertvolle dunkle Lebensräume.

Auszug aus der Zusammenfassung der Studie:

Es gibt verschiedene Messmethoden um Lichtemissionen im Park zu erheben. Aus der ökologischen Perspektive erwiesen sich VIIRS Satellitenbilder, ISS Fotografien und Lampeninventare als geeignetste Methode. VIIRS Daten der letzten 3 Jahre zeigen saisonale Schwankungen aber keinen Trend über die Jahre auf. Ein ISS Bild reicht aus, um die Emissionsquellen im Norden des Parks zu identifizieren. Lampeninventare konnten für den grössten Teil des Parks zugänglich gemacht werden, zusätzliche Inventare wurden in Gebieten mit hohen Emissionen und in der Nähe von sensiblen Habitaten durchgeführt – viele problematische Lichtquellen stammen nicht von Strassenlampen. Licht, welches entlang von Zugstrecken, bei Sportanlagen, Banken oder weiteren Geschäften, Schulen, Spitälern und Altersheimen, Kirchen, Garagen und Tankstellen stammt, ist oftmals verbunden mit kaum abgeschirmten Flutlichtern, Werbeschriften oder Kugelleuchten. Ein vollständigeres Inventar könnte mit einem citizen-science Projekt erreicht werden.

Mittels Literaturrecherche konnten lichtsensible Arten und Habitate eruiert werden; künstliches Licht kann durch direkte Beleuchtung, die Verstärkung von horizontal polarisierten Lichtsignalen oder durch die Verminderung der Wahrnehmbarkeit der Mondzyklen Einfluss nehmen. Die meisten direkt relevanten wissenschaftlichen Publikationen beschäftigten sich mit Fledermäusen und aquatischen Insekten. Die Forschungslücke in Bezug auf Säugetiere ist besorgniserregend, insbesondere angesichts ihrer starken Tendenz zu nächtlicher Aktivität. Es gilt auch für weitere Taxa: Eine Forschungslücke heisst nicht, dass Licht keinen Einfluss hat. In den meisten Fällen wären genügend Anhaltspunkte vorhanden, um Vorsorgemassnahmen für Lichteindämmung in der Nähe von wichtigen Habitaten zu begründen. Es wurden bereits gute Anhaltspunkte vorgelegt, die den Einfluss auf aquatische Habitate und Wiesen hinweisen.

Mittels einer VIIRS Sichtbarkeitsanalyse von hellen Lichtorten wurde ein räumlicher Indikator für ökologisch relevante Lichtverschmutzung entwickelt. Dieser wurde weiter verfeinert um dunkle Kernzonen zu auszuscheiden, welche sich für zusätzliche Schutz-, Aufwertungs- und «Abdunkelungs»-Projekte eignen. Die meisten Biotope von nationaler Bedeutung im Naturpark befinden sich bereits in den dunklen Gebieten. Aber ein hoher Anteil der Amphibienlaichgebiete und Flachmoore sind Erhellungen aufgrund des Lichts aus Plaffeien und Belp ausgesetzt.

Die experimentelle Forschung im Sommer 2017 erwies, dass LED_Beleuchtung innerhalb von 80 m Entfernung von Flussufern Einfluss auf adulte Ephemeroptera, Trichoptera und Diptera hat. Untersuchungen entlang von Abschnitten der Hauptflüsse zeigen zahlreiche Lichtquellen auf, welche Eindämmung erfordern. Der Einfluss von künstlichen Lichtquellen auf den Singvogelzug ist bekannt und es wurde im Naturpark eine Zone identifiziert, die in diesem Kontext von Licht-Eindämmungsmassnahmen profitieren würde. Empfehlungen für Vorsorgemassnahmen rund um prioritäre Lebensräume bzw. Arten werden aufgezeigt, sowie für Sensibilisierung der Bevölkerung für die Einzigartigkeit der Nachtdunkelheit und eine bessere Beleuchtung. Eine spezifische Möglichkeit, die ökologische Lichtverschmutzung anzugehen, ist die Beleuchtung bei Flüssen, Bächen und Weihern einzudämmen, sowie Habitat Aufwertungen in den bestehenden Dunkelkorridoren der aquatischen Lebensräume vorzunehmen.

Die vollständige Studie finden Sie hier: Downloads > Studien > Ecological Light Pollution in the Gantrisch Naturpark.

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